FAQ: Wichtige Golfbegriffe - Stand 15.07.2007

0. Inhaltsverzeichnis
1. Längeneinteilung und Lochergebnisse
2. Platzbegriffe
3. Platzpflegemaßnahmen
4. Schlägerbezeichnungen
5. Schlagbezeichnungen (Basis)
6. Schlagbezeichnungen (Erweitert)
7. Hilfsmittel
8. Personen auf dem Golfplatz
9. Verbände
10. Vorgabe (Handicap)
11. Zählweisen
12. Wettspiele
13. Credits
   
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10. Vorgabe (Handicap)

Die Vorgabe dient beim Golf dem Vergleich der Leistung von Amateur-Spielern verschiedener Spielstärken. Es wird vom jeweiligen Heimatclub in der Vorgabenliste geführt.

Die Vorgabe gibt an, wieviel Schläge mehr als Par ein Spieler in einem Zählspiel benötigen darf. Bei einem Kurs mit Par 70 und einer Vorgabe von -16 muß ein Spieler also 86 Schläge benötigen, um seine Vorgabe zu spielen und zu bestätigen.

Die offizielle Vorgabe beginnt bei -36 (man beachte das Minus). Einen Endpunkt gibt es nicht. Es ist allerdings kein Spieler bekannt, der jemals eine Vorgabe von besser als +8 erreicht hat. Spieler einer solchen Spielstärke wechseln normalerweise zu den Profis.

Das hier vorgestellte System ist in den deutschsprachigen Ländern und in vielen Ländern Kontinentaleuropas üblich. In den angelsächsischen Ländern geht es ein wenig lockerer zu. Hier beginnen die offiziellen Handicaps erst bei -28.0 (Herren) und -36.0 (Damen).

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.1. Vorgabenklassen

Die Vorgaben werden in verschiedene Vorgabenklassen eingeteilt:

Vorgabenklasse Vorgabenbereich
Vorgaben-Klasse 1 bis -4,4
Vorgaben-Klasse 2 -4,5 bis -11,4
Vorgaben-Klasse 3 -11,5 bis -18,4
Vorgaben-Klasse 4 -18,5 bis -26,4
Vorgaben-Klasse 5 -26,5 bis -36,0
Clubvorgaben -37 bis -54

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.2. Stammvorgabe

Zur Berechnung der Vorgabe dient die sogenannte Stammvorgabe. Die Stammvorgabe gibt auf eine Kommastelle genau die Vorgabe an. Die jeweilige Spielvorgabe ergibt sich aus den Course-Rating-Tabellen des bespielten Platzes.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.3. Verbesserung oder Verschlechterung

Die Verbesserung geschieht durch das sog. Unterspielen, d.h. man spielt auf einer Runde besser als man es laut eigener Spielvorgabe eigentlich tut. Je nach Vorgabenklassen wird jeder Schlag um den man sich unterspielt, unterschiedlich gewertet. Verbesserungen/Verschlechterungen der Vorgabe sind nur in vorgabewirksamen Turnieren oder auf EDS-Runden (bis HC -18.5) möglich.

Vorgabenklasse Verbesserung
Vorgaben-Klasse 1 0,1 Punkte
Vorgaben-Klasse 2 0,2 Punkte
Vorgaben-Klasse 3 0,3 Punkte
Vorgaben-Klasse 4 0,4 Punkte
Vorgaben-Klasse 5 0,5 Punkte
Clubvorgaben 1,0 Punkte

Ein Spieler mit Stammvorgabe -26.3, der sich um 6 Schläge (6 x 0.4 = 2.4) unterspielt erhält also die neue Stammvorgabe -23.9.

Etwas komplizierter wird die Rechnung, wenn ein Spieler die Vorgaben-Klassengrenzen überschreitet. Hier wird der Spieler solange mit dem für seine Klasse geltenden Schrittmaß heruntergesetzt, bis er die Klassengrenze überschreitet. Sind nun noch unterspielte Schläge übrig, wird er mit dem für seine neue Vorgaben-Klasse geltenden Schrittmaß weiter heruntergesetzt. Ein Spieler mit Stammvorgabe -12.1, der sich um 6 Schläge heruntergespielt hat, wird folglich mit drei Schlägen heruntergesetzt (3 x 0.3 =0.9). Nun hat er Stammvorgabe -11.2 und ist somit in einer neuen Vorgabenklasse. Die verbleibenden drei Schläge werden nun mit dem neuen Schrittmaß verrechnet (3 x 0.2 = 0.6), so daß unser Beispiel-Spieler am Ende eine Stammvorgabe von -10.6 erhält.

Natürlich kann man sich beim Golf nicht nur verbessern, sondern man kann sich (leider) auch verschlechtern. Verschlechtern tut man sich immer dann, wenn man schlechter als die eigene Spielvorgabe spielt und außerdem den sogenannten Schonbereich (siehe Tabelle) nicht erreicht. Hochgesetzt wird man

  • in den Vorgabe-Klassen 1 bis einschließlich 4 um 0,1 Punkte
  • in der Vorgaben-Klasse 5 um 0,2 Punkte

Heraufsetzungen bei Clubvorgaben sind nicht möglich.

Vorgabenklasse Schonbereich
Vorgaben-Klasse 1 2 Stableford-Punkte
Vorgaben-Klasse 2 2 Stableford-Punkte
Vorgaben-Klasse 3 3 Stableford-Punkte
Vorgaben-Klasse 4 4 Stableford-Punkte
Vorgaben-Klasse 5 5 Stableford-Punkte

Schonbereich bedeutet, daß die eigene Stammvorgabe nicht hochgesetzt wird, wenn man höchstens so viele Schläge, wie im Schonbereich für die jeweilige Vorgaben-Klasse vorgegeben, schlechter spielt. Ein Spieler mit Stammvorgabe -7.0, der zwei Schläge schlechter als seine Spielvorgabe gespielt hat, wird also nicht hochgesetzt, ein Spieler, der drei Schläge schlechter gespielt hat, wird dagegen hochgesetzt.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.4. Course-Rating

Der Course-Rating-Wert ist das Mass des Schwierigkeitsgrades eines Golfplatzes für Spieler mit niedriger Vorgabe (Vorgabe 0) unter normalen Platz- und Wetterbedingungen. Ermittelt wird dieser Wert aus der effektiven Spiellänge des Platzes und anderen Erschwernisfaktoren, soweit diese das Spiel des Spielers erschweren (wie z.B. die Breite der Fairways, die Höhe des Roughs, die Größe der Grüns und Höhenunterschiede). Der Course-Rating-Wert wird in Schlägen angegeben, auf eine Dezimalstelle hinter dem Komma genau. Für die unterschiedlichen Abschläge (Herren/Damen, vordere bis hintere Abschläge) gibt es in der Regel unterschiedliche Course-Rating-Werte.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.5. Slope

Der Slope-Wert ist das Mass des relativen Schwierigkeitsgrades eines Platzes für Golfer mit einer höheren Vorgabe (Vorgabe != 0). Der Slope-Wert wird gerundet auf ganze Zahlen angegeben und kann zwischen 55 und 155 liegen. Ein Golfplatz mit einem standardisierten mittleren Schwierigkeitsgrad hat einen Slope-Wert von 113. Für die unterschiedlichen Abschläge (Herren/Damen, vordere bis hintere Abschläge) gibt es in der Regel unterschiedliche Slope-Werte.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.6. Vorgabenumrechnung

Die DGV-Stammvorgabe (z.B. 17,4) ist zukünftig vor einer Runde in die DGV-Spielvorgabe umzurechnen. Denn die Höhe der DGV-Spielvorgabe hängt stets davon ab, wie leicht oder schwer der Platz ist. D.h. auf schweren Plätzen wird man mit einem höheren, auf leichten Plätzen mit einer niedrigeren Vorgabe spielen. Konkret umgerechnet wird die Spielvorgabe wie folgt:

Achtung:
Bitte immer darauf achten, das die Stammvorgabe ein negatives Vorzeichen hat. Ignoriert man dieses, kommt man zu einem falschen Ergebnis.

Beispiel:
Auf einem Platz mit einem Slope von 133, einem Course-Rating von 71,2 (jeweils für die zu spielenden Abschläge) und einem Par von 72 ergibt sich bei einer Stammvorgabe von 17,4 die folgende Spielvorgabe:

Der Spieler/die Spielerin tritt also auf diesem Platz mit der Spielvorgabe -20 an, Unter- und Überspielungen beziehen sich dann auf diese Spielvorgabe.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.7 Extra Day Score (EDS)

Vorgabenwirksam sind nicht nur Wettspiele, sondern auch bestimmte Privatrunden. Europaweit einheitlich hat man sich darauf geeinigt, diese vorgabenwirksamen Privatrunden als "Extra Day Scores" (EDS) zu bezeichnen. Vorgabenwirksame Privatrunden dürfen jedoch nur Spielerinnen/Spieler einreichen, deren DGV-Stammvorgabe höher als -18,4 ist. Im Bereich der Clubvorgaben und der DGV-Vorgabenklasse 5 können beliebig viele Extra Day Scores im Jahr gespielt werden. In der DGV- Vorgabenklasse 4 jedoch nur so viele, wie im aktuellen Kalenderjahr bereits vorgabenwirksame Wettspielergebnisse durch eine Spielerin/einen Spieler erzielt wurden. Der jeweilige EDS kann generell nur dann als vorgabenwirksam anerkannt werden, wenn er auf dem Heimatplatz gespielt wurde (für VcG-Spieler gilt der Platz als Heimatplatz, auf dem die erste EDS-Runde des Jahres gespielt wurde), der Zähler Vorgabe -36,0 oder besser hat und sich der Spieler vor der Runde im Sekretariat registriert. Zu berücksichtigen ist, dass man sich auf EDS-Runden sowohl unterspielen als auch überspielen kann.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.8. Clubvorgabe

Neben den offiziellen Vorgaben gibt es in Deutschland und Österreich auch noch die sogenannten Clubvorgaben, die von Vorgabe -37 bis Vorgabe -54 reichen. Sie dienen dazu, um den Golfneuling behutsam an das Vorgabensystem heranzuführen.

Vorgabe -54 ist gleichbedeutend mit der Erlangung der Platzreife und berechtigt in Deutschland zur Teilnahme an Turnieren in der Vorgabenklasse 5. In Österreich ist die Teilnahme an Turnieren erst nach der Ablegung einer Turnierreifeprüfung möglich, welche die Vorgabe automatisch auf -45 anhebt.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.9. PE (Platzerlaubnis)

Platzerlaubnis bzw. Platzreife (=Vorgabe -54) wird benötigt um auf dem Golfplatz ohne Begleitung des Golftrainers spielen zu dürfen.

Zurück zum Anfang des Kapitels 10.10. 9-Loch-Wettspiel

Seit 2006 sind in Deutschland auch vorgabewirksame Wettspiele über eine Distanz von 9 Löchern möglich. Hierbei sind folgende Eckpunkte für den teilnehmenden Spieler wichtig:

  • Golfclubs steht es frei, ob sie vorgabenwirksame 9-Loch-Wettspiele anbieten.
  • 9-Loch-Wettspiele sind nur für Spieler der DGV-Vorgabenklassen 4-6 (18,5-54) vorgabenwirksam.
  • Dem auf neun Löchern erzielten Ergebnis werden für die Vorgabenverwaltung 18 Stableford-Nettopunkte (für die nicht gespielten zweiten neun Löcher) hinzugezählt.
  • Die Pufferzone für Spieler der DGV-Vorgabenklassen 4 und 5 beträgt 34 bis 36 Stableford-Nettopunkte.
  • Bietet ein Golfclub vorgabenwirksame 9-Loch-Wettspiele nicht an, braucht er auch auswärtig erzielte 9-Loch-Ergebnisse nicht anzuerkennen.
  • EDS-Runden über neun Löcher sind nicht zugelassen.
  • Abgebrochene 18-Loch-Wettspiele dürfen nicht nachträglich zu vorgabenwirksamen 9-Loch-Wettspielen erklärt werden.